Worum geht es?

Posselt schrieb bereits 1957, dass Menschen eine Bewegung um die terminale Scharnierachse zwar möglich sei, in natürlichen Bewegungen aber nicht vorkomme. Trotzdem ist die terminale Scharnierachse bis heute als Referenz bei der Modellübertragung in den Artikulator etabliert und arbeiten dort beim Heben/Senken NUR mit diesen unnatürlichen Bewegungen. Patienten können sich meist an solche Fehler gewöhnen, so dass alles gut scheint, bis man auf einen stößt, der dies nicht vermag. Gerade bei CMD-Patienten ist dies häufiger der Fall und das Problem dann auf Physiotherapeuten abzuschieben oder auf schlechte Gene, ist nicht die beste Lösung!

McCollum und Stuart, die Urheber der Gnathologie, waren davon ausgegangen, dass Kiefergelenke die Unterkieferbewegungen bestimmen und sich ein Leben lang nicht verändern. Daher versuchten sie, Bisslagen anhand der Grenzbewegungen von Kiefergelenken zu rekonstruieren. Heute wissen wir, dass beide Prämissen falsch sind: Kiefergelenke begleiten und stabilisieren die Bewegung, führen sie aber nicht und sie sind auch starken Veränderungen unterworfen, die wir "Remodeling" nennen. Sie verändern sich, während eine CMD entsteht und doch halten wir an gnathologischen Vorgehensweisen fest und versuchen, aus Bewegungen von pathologischen Kiefergelenken gesunde Bisslagen zu konstruieren. Es scheint keine wirkliche Alternative zu geben.

Aber es gibt sie doch, die Alternative, bei der die Muskeln und Weichgewebe, die für die allermeisten Symptome bei der CMD verantwortlich sind, NICHT ignoriert werden. Der Vermittlung dieser Alternativen, angefangen bei der Modellübertragung und Einstellung von Artikulatoren, über die Diagnostik, Techniken zur Lösung chronischer Verspannungen in der Kaumuskulatur und zur myozentrischen Bissregistrierung bis hin zur Gestaltung der Okklusion, so dass sie das natürliche Bewegungsmuster in der Funktion nicht einschränkt.

Seit der Einführung der Gnathologie hat sich die CMD vervielfacht. Die Wissenschaft findet zu keiner Lösung, sondern trägt mit widersprüchlichen Aussagen eher noch zur weiteren Verwirrung bei. Kursteilnehmer bekommen im ITMR Wissen und klinische Fähigkeiten vermittelt, mit denen sie betroffenen Patienten vorhersehbar helfen können. Dabei liegt die Lösung nicht in der Anschaffung teuerer Geräte, sondern in einem Umdenken, das bei der Diagnose anfängt und sich bis zur Gestaltung von Okklusion durchzieht.

Das ITMR ist kein Pilz, der heute aus dem Boden schießt und morgen wieder verschwunden ist. Es wurde von Dr. Walter Schöttl 1970 zur Verbreitung der Aufwachslehre gegründet und beschäftigt sich seit 1985 mit der Entwicklung und Vermittlung einer plausiblen, klinisch praktizierbaren neuromuskulären Funktionslehre.
 

Fortbildungsthemen 


Neuromuskuläre Funktion und Diagnostik

Ein neues Verständnis der kraniomandibulären Funktion bildet die Basis für unsere Kurse. Dabei wird der Mensch nicht länger als wandelnder Artikulator betrachtet, mit Scharnierachsen-Gelenken an Stelle einer Artikulatorachse, sondern als lebendiges, auf Stimuli felxibel reagierendes Wesen. Diese Sichtweise, die auf Muskeln und ihre Stellreflexe eingeht, statt die Funktion auf Kiefergelenke zu reduzieren, ermöglicht ein physiologisches Verständnis dessen, was wir täglich bei CMD-Patienten sehen.

Statt zur Diagnose Kiefergelenke in irgendwelche Grenzstellungen zu drücken, versuchen wir zu ermitteln, welchen Belastungen sie ausgesetzt sind und woher diese kommen. Hierfür müssen wir lernen auch schwer zugängliche Muskeln zuverlässig zu palpieren und Weichgewebsdysfunktionen ebenso zu erkennen, wie Probleme in der Kopf- und Körperhaltung zu deren Lösung wir eine gezielte interdisziplinäre Kooperation brauchen. 

Somit ist dieser Themenbereich dem Erkennen von Dysbalancen in der Triade Okklusion-Muskeln-Kiefergelenke gewidmet und in allen dreien wird ein fachübergreifendes Hintergrundwissen aufgebaut. 
 

Physio-Logische Artikulatorprogrammierung

Seit Beginn der Gnathologie liegt der Fokus auf den Kiefergelenken und ihrer Scharnierachse, die jedoch nur manipuliert werden kann, indem man praktisch jedem Menschen seinen Unterkiefer aus der natürlich gewachsenen Lage verschiebt. Zwischenzeitlich sind die Prämissen der Gnathologie unhaltbar geworden: wir wissen, dass Kiefergelenke nicht konstant sind, sondern sich verändern – und sogar wesentlich mehr, als wie es für möglich gehalten haben. Wir wissen auch, dass es ein Mythos ist, dass wir unseren Unterkiefer in der Vertikalen um eine Achse bewegen.

Die Scharnierachse als Referenz, oder auch die Ohren, Augen, oder sonstige Schädelebenen, können bei der Modellübertragung in den Artikulator nur solange eine valide Referenz bilden, als damit die Bewegungsrichtungen in drei Dimensionen zuverlässig zwischen Patient und Artikulator gleichgeschaltet werden. Kommt es zu Abweichungen, so sind die Modelle im Artikulator anders zu den Bewegungsrichtungen angeordnet, als es die Zähne im Mund sind und es kommt zu Fehlern, die selbst mit den aufwändigsten Einstellmöglichkeiten am Artikulator nicht mehr korrigiert werden können.

In diesem Themenbereich werden daher einfache Techniken vermittelt, um Bewegungsrichtungen überhaupt kontrollierbar darzustellen, die geeignete Referenzebene bei der Übertragung einzusetzen und Artikulatoren so einzustellen, dass sie uns bei der Gestaltung einer störungsfreien Okklusion bestmöglich unterstützen.

 

Therapie von chronischen Kaumuskelverspannungen und Myozentrik

Eine wichtige Aufgabenstellung an das menschliche Kausystem ist die Flexibilität und Kompensationsfähigkeit. Man kann trotz erheblicher Verschiebungen im Biss und multiplen Zahnverlusten noch immer Nahrung aufnehmen und sich am Leben erhalten. In der heutigen Zeit kommt es jedoch vermehrt zu Funktionsstörungen in diesem System und die sind weniger seiner Unzulänglichkeit oder genetischen Defekten geschuldet, als einem primitiven, ja falschem Verständnis seiner Funktion. Wenn unsere Forschung heute behauptet, das Kausystem, das einzige Bewegungssystem im Körper mit einem Harten Anschlag (auf den Zähnen) funktioniere (oder dysfunktioniere) völlig unabhängig von diesem Anschlag, spricht Zahnstellung und Biss, dann sagt das eigentlich schon alles!

Ungünstig verschobene Bisse sind für die Muskulatur schwierig bedienbar, führen zu chronischen Verspannungen und möglicherweise zu Schmerzen, Kiefergelenksproblemen und anderen Symptomen. In diesem Bereich werden daher klinische Möglichkeiten zur Muskelentspannung, spezifisch zur Entspannung der Kaumuskulatur, vermittelt. Danach lässt sich beobachten, in wieweit sich die Kieferhaltung verändert und solche Veränderungen werden in der Myozentrik gezielt aufgegriffen und in eine Unterkieferposition umgesetzt.

 

Sensomotorische Okklusionsgestaltung

Die Okklusion ist, womit das ITMR 1970 begann. Jedoch sind die früheren statischen Konzepte längst dynamischen gewichen. Jedoch nicht Artikulator-dynamischen und auch nicht von außen manipulierter Dynamik. Hier muss es um die Dynamik gehen, die der Patient erzeugt. Okklusion muss so gestaltet sein, dass er sich wohlfühlt damit, dass er sein Bewegungsmuster an keine Störungen anpassen muss und dass es ein genau definiertes „Heimchengefühl“ in der Zentrik gibt. Das geht mit gnathologischen Konzepten, die meist zurückreichen, in die Zeit der retrudierten Bisslagen, ebenso schwer, wie mit Tripodkonzepten, die auf die gleiche Entstehungsgeschichte zurückgehen. Die Retrusion, auch mit transversalen Komponenten, also die mediotrusive und laterotrusive Retrusion, gehört hier zu den ganz normalen Funktionsbewegungen. 

Das sensomotorische Okklusionskonzept ist gar nicht so kompliziert und klinisch relativ leicht umzusetzen, ob auf Schienen, oder Kauflächen von Zähnen.
 

Die Kursthemen Neuromuskuläre Funktion, Modelleinstellung, Myozentrik und Okklusion sind keineswegs zusammenhangslos, sondern jeweils Teil eines neuen Ganzen, in das Elemente sich logisch fügen und zur Vermeidung von Fehlern beitragen.